KI-Führerschein: Was die KI-Schulungspflicht nach Art. 4 AI Act 2026 verlangt
Joshua Heller · 4. November 2026 · 12 min.
Einen gesetzlich vorgeschriebenen „KI-Führerschein“ gibt es nicht. Artikel 4 der KI-Verordnung (EU AI Act) verlangt seit dem 27. Juli 2026 von Unternehmen, die KI einsetzen, dass sie Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau müssen sie nicht garantieren, ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Ein KI-Führerschein ist ein praktischer Weg, diese Maßnahmen umzusetzen und zu dokumentieren. Er lohnt sich aber nur, wenn er echtes Verständnis aufbaut und prüft, statt bloß Teilnahmen zu sammeln.
Viele Ratgeber zur „KI-Schulungspflicht“ beschreiben noch die alte Fassung von Art. 4 aus dem Februar 2025. Mit dem Digital Omnibus hat sich der Wortlaut geändert, und seit August 2026 gibt es in Deutschland mit der Bundesnetzagentur eine zuständige Aufsicht. In diesem Beitrag erfahren Sie:
- was Art. 4 in der neuen Fassung verlangt und was nicht mehr,
- wer das kontrolliert und was bei Verstößen tatsächlich droht,
- welche verbreiteten Annahmen zur KI-Schulungspflicht nicht stimmen,
- was ein guter KI-Führerschein abdecken sollte und wie Sie ihn dokumentieren,
- und warum eine Praxisaufgabe mit Rückfragen mehr nachweist als ein Multiple-Choice-Test.
Was verlangt Art. 4 AI Act seit dem Digital Omnibus?
Der EU AI Act ist seit dem 1. August 2024 in Kraft und gilt stufenweise. Art. 4 zur KI-Kompetenz gehört zu den ersten Pflichten und gilt seit dem 2. Februar 2025. Mit der Verordnung (EU) 2026/1744, dem sogenannten Digital Omnibus zur KI, wurde er neu gefasst. Die Änderung wurde am 24. Juli 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und gilt seit dem 27. Juli 2026 (EUR-Lex).
| Alte Fassung (2. Februar 2025 bis 26. Juli 2026) | Neue Fassung (seit 27. Juli 2026) | |
|---|---|---|
| Kernpflicht | „nach besten Kräften“ sicherstellen, dass das Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt | Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz zu unterstützen |
| Ergebnis geschuldet? | Faktisch ja: ein „ausreichendes Maß“ | Nein: ausdrücklich keine Garantie eines bestimmten Niveaus |
| Wer ist verpflichtet? | Anbieter und Betreiber von KI-Systemen | unverändert |
| Wen betrifft es? | Personal und andere Personen, die im Auftrag mit KI arbeiten | unverändert |
| Unterstützung für KMU | nicht geregelt | Kommission und Mitgliedstaaten sollen insbesondere KMU unterstützen, die Kommission veröffentlicht Praxisbeispiele |
Der neue Satz 1 lautet im Kern: Anbieter und Betreiber „ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind“. Dabei sind Vorkenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der Einsatzkontext zu berücksichtigen. Satz 2 stellt klar, dass diese Pflicht Unternehmen nicht verpflichtet, „für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz zu garantieren“ (Wortlaut nach der konsolidierten Fassung bei buzer.de).
Was das praktisch heißt: Die Pflicht ist nicht gestrichen, sondern von einer Ergebnis- zu einer Bemühenspflicht geworden. Wer KI beruflich einsetzt, muss weiterhin etwas tun und das belegen können. Der Druck, für jede Person ein „ausreichendes“ Niveau nachzuweisen, ist aber weg.
Wer ist „Betreiber“ und damit betroffen?
Betreiber ist nach dem AI Act jedes Unternehmen, das ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich nutzt. Das ist keine Frage der Größe oder Branche. Wer Mitarbeitenden ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot zur Verfügung stellt, KI-Funktionen in seiner Software aktiviert hat oder einen KI-Agenten betreibt, ist Betreiber. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung.
Betroffen sind nicht nur Festangestellte, sondern auch „andere Personen“, die in Ihrem Auftrag KI nutzen: Freelancer, Zeitarbeitskräfte, Dienstleister im Haus. Die EU-Kommission hat das in ihren Fragen und Antworten zur KI-Kompetenz bereits 2025 so eingeordnet.
Wer kontrolliert die KI-Kompetenz, und was droht bei Verstößen?
In Deutschland ist seit dem 29. Juli 2026 das KI-Marktüberwachungsgesetz (KI-MIG) in Kraft. Damit ist die Bundesnetzagentur die zentrale Marktüberwachungsbehörde, Anlaufstelle und Beschwerdestelle für die KI-Verordnung (Bundesnetzagentur). In bestimmten Bereichen bleiben andere Behörden zuständig, etwa die BaFin im Finanzsektor. Die Aufsicht über die Pflichten aus Art. 4 liegt seit dem 2. August 2026 bei den nationalen Behörden.
Was das für Sie bedeutet:
- Kein eigener Bußgeldtatbestand. Weder Art. 99 der KI-Verordnung noch das KI-MIG enthalten nach heutigem Stand einen ausdrücklichen Bußgeldtatbestand für Art. 4. Die oft genannten Bußgelder in Millionenhöhe betreffen andere Pflichten, etwa verbotene Praktiken oder Transparenzpflichten.
- Nachweise können verlangt werden. Die Behörde kann Unterlagen anfordern und Maßnahmen anordnen. Wer dann nichts vorlegen kann, hat ein Problem, auch ohne Bußgeld.
- Haftung und Sorgfalt. Entsteht ein Schaden, weil Mitarbeitende KI unkundig eingesetzt haben, kann fehlende KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht gewertet werden. Das ist in der Praxis das größere Risiko.
Die Bundesnetzagentur bietet über ihren KI-Service-Desk Hinweise zum Aufbau von KI-Kompetenz. Sie sind nicht verbindlich, zeigen aber, worauf die Aufsicht schaut: Bedarf ermitteln, Maßnahmen gestalten, dokumentieren. Stand dieser Einordnung: 4. November 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Klären Sie Einzelfälle mit Ihrer Rechtsberatung oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
KI-Schulungspflicht: Was stimmt, was nicht?
Rund um Art. 4 kursieren viele Annahmen, die entweder schon 2025 nicht stimmten oder durch den Omnibus überholt sind.
| Annahme | Stand November 2026 |
|---|---|
| „Jeder Mitarbeitende braucht ein Zertifikat.“ | Falsch. Weder die Verordnung noch EU-Kommission oder Bundesnetzagentur verlangen Zertifikate oder externe Zertifizierungen. Eine interne Dokumentation reicht. |
| „Mit dem Omnibus ist die Pflicht weggefallen.“ | Falsch. Sie ist abgeschwächt, aber nicht gestrichen. Unternehmen müssen weiterhin Maßnahmen ergreifen. |
| „Alle bekommen dieselbe Schulung.“ | Nicht vorgesehen. Art. 4 verlangt ausdrücklich, Vorkenntnisse und Einsatzkontext zu berücksichtigen. Wer Agenten baut, braucht mehr als jemand, der E-Mails formuliert. |
| „Es drohen bis zu 15 Mio. Euro Bußgeld.“ | Für Art. 4 gibt es keinen eigenen Bußgeldtatbestand. Relevanter sind Anordnungen der Aufsicht und Haftungsfragen. |
| „Wir brauchen einen KI-Beauftragten.“ | Nicht vorgeschrieben. Sinnvoll ist eine verantwortliche Person, die Bedarf, Maßnahmen und Doku im Blick behält. |
| „Einmal schulen reicht.“ | Rechtlich nicht festgelegt, praktisch nein. Neue Tools, neue Mitarbeitende und neue Einsatzfälle brauchen ein Update. |
| „Betrifft nur IT und Entwicklung.“ | Falsch. Betroffen ist jede Person, die im Auftrag des Unternehmens mit KI arbeitet, auch externe Kräfte. |
Warum das Thema trotzdem nicht kleiner wird
Die rechtliche Pflicht ist weicher geworden, die praktische Lücke nicht. Laut einer Bitkom-Befragung von 603 Unternehmen vom September 2026 nutzen inzwischen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI, nach 36 Prozent im Vorjahr. 70 Prozent schulen ihre Beschäftigten zumindest teilweise im Umgang mit KI, ein Viertel gar nicht. Und 66 Prozent schätzen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein (Bitkom).
KI wird also schneller eingesetzt, als die Kompetenz mitwächst. Und mit KI-Automatisierung, Agenten und Vibe Coding nutzen Mitarbeitende KI nicht mehr nur zum Formulieren, sondern lassen sie handeln: Daten verschieben, E-Mails verschicken, Code schreiben. Je mehr eine KI tut, desto teurer wird es, wenn niemand ihre Ergebnisse beurteilen kann.
Was ein KI-Führerschein abdecken sollte
Ein KI-Führerschein ist kein Rechtsbegriff, sondern ein Format: eine kompakte Schulung, die Grundlagen, Regeln und Praxis verbindet und mit einem internen Nachweis endet. Damit er Art. 4 sinnvoll umsetzt, sollte er nach Rollen gestaffelt sein. Unser Raster aus der Praxis:
| Stufe | Für wen | Inhalte | Nachweis |
|---|---|---|---|
| Basis | alle, die KI-Tools nutzen | Wie Sprachmodelle funktionieren, Halluzinationen, Datenschutz, KI-Richtlinie des Hauses, Übungen an eigenen Aufgaben | Teilnahme plus kurze Praxisaufgabe |
| Anwendung | Fachbereiche, die KI regelmäßig in Prozessen nutzen | Prompt Engineering für wiederkehrende Aufgaben, Ergebnisse prüfen, eigene Assistenten, erste Automatisierungen | Eigener Use Case, im Team vorgestellt |
| Bauen | Teams, die Automatisierungen, Agenten oder Software mit KI bauen | n8n-Workflows, Rechte und Secrets, Human in the Loop, Code-Review bei KI-generiertem Code, Sicherheit | Review eines eigenen Workflows oder Code-Stands mit Rückfragen |
| Entscheiden | Geschäftsführung, Führungskräfte, Einkauf | Einsatzfelder und Grenzen, Risikoklassen des AI Act, Tool-Auswahl, Verantwortung, Datenhoheit | Freigegebene KI-Richtlinie und Use-Case-Priorisierung |
Für Bereiche mit besonderem Risiko lohnt eine eigene Vertiefung. KI im Personalbereich, etwa zur Vorauswahl von Bewerbungen, fällt künftig unter die Hochrisiko-Regeln des AI Act. Nach dem Omnibus gelten diese für Anhang-III-Systeme ab dem 2. Dezember 2027. Wer dort KI einsetzt, sollte die Kompetenz der Beteiligten heute schon deutlich gründlicher aufbauen.
Die KI-Richtlinie gehört dazu
Eine Schulung ohne Spielregeln verpufft. Mindestens eine Seite sollte festhalten, welche Tools mit welchen Daten genutzt werden dürfen. Bewährt hat sich eine einfache Ampel: Grün für öffentliche oder unkritische Inhalte, Gelb für interne Informationen nur in freigegebenen Unternehmens-Tools, Rot für personenbezogene Daten, Geschäftsgeheimnisse und Kundendaten, die nur in eigens geprüften Systemen verarbeitet werden. Dazu eine Person, die bei Zweifeln entscheidet.
Verständnis prüfen statt Teilnahmen zählen
Der häufigste Fehler beim KI-Führerschein ist nicht der Inhalt, sondern der Nachweis. Ein Multiple-Choice-Test am Ende zeigt, dass jemand anwesend war und sich ein paar Begriffe gemerkt hat. Er zeigt nicht, ob diese Person erkennt, wann eine KI falsch liegt.
Unser Gründer Joshua Heller erlebt dasselbe Problem gerade an der Hochschule. Er unterrichtet seit Herbst 2026 Web Engineering an der DHBW Karlsruhe. Die Studiengangsleitung hat ihm das eigentliche Thema gleich mitgegeben: Die Studierenden nutzen KI intensiv, verstehen aber die Grundlagen oft nicht. KI zu verbieten wäre an einer Hochschule genauso wenig sinnvoll wie im Unternehmen. Sein Ansatz deshalb:
- Aufgaben stellen und die Lösungen live gemeinsam durchgehen. Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg.
- Verständnis vor Tempo. Schnell generierter Code ist wertlos, wenn niemand erklären kann, warum er funktioniert.
- Prüfung als Präsentation mit gezielten Rückfragen. Wer erklären kann, warum sein Code so aussieht, hat verstanden. Wer nur übernommen hat, was die KI geliefert hat, merkt das spätestens bei der dritten Rückfrage.
Genau diese Logik übertragen wir auf Unternehmen. Der beste Nachweis für KI-Kompetenz ist eine echte Aufgabe aus dem eigenen Arbeitsalltag, gelöst mit KI und danach erklärt. Warum ist das Ergebnis richtig? Was hätte die KI hier falsch machen können? Woran hätten Sie es gemerkt? Wer diese Fragen beantworten kann, setzt KI kritisch ein, statt ihr blind zu glauben. Und genau das ist der Zweck von Art. 4, mit oder ohne Omnibus.
Das gilt besonders für Teams, die mit KI Software bauen. Wie das in der Praxis aussieht und wo die Grenzen liegen, beschreiben wir in Vibe Coding im Unternehmen.
In sechs Schritten zum Art.-4-Nachweis
- Bestandsaufnahme. Welche KI-Tools werden genutzt, offiziell und inoffiziell? Wer nutzt sie wofür? Private ChatGPT-Konten für berufliche Aufgaben gehören dazu.
- Rollen einordnen. Ordnen Sie Mitarbeitende den Stufen Basis, Anwendung, Bauen und Entscheiden zu. Externe Kräfte, die in Ihrem Auftrag mit KI arbeiten, nicht vergessen.
- KI-Richtlinie festlegen. Die Ampel für Tools und Daten, eine verantwortliche Person, ein Meldeweg für Fragen und Vorfälle.
- Schulen. Basis für alle, Vertiefung je nach Rolle. An echten Aufgaben aus dem eigenen Alltag, nicht an generischen Beispielen.
- Wirksamkeit prüfen. Praxisaufgabe mit Rückfragen statt Anwesenheitsliste.
- Dokumentieren und auffrischen. Festhalten, wer wann welche Maßnahme mit welchem Inhalt durchlaufen hat. Ein Update einplanen, sobald neue Tools, neue Mitarbeitende oder neue Einsatzfälle dazukommen.
Für die Dokumentation reicht eine schlichte Tabelle im Personalsystem oder in einer gemeinsamen Datei. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, Art, Inhalt und Umfang der Maßnahme sowie die Teilnehmenden festzuhalten. Wir ergänzen in Projekten zwei Spalten: die Rolle und das Ergebnis der Praxisaufgabe. Damit können Sie bei einer Anfrage nicht nur zeigen, dass geschult wurde, sondern auch, dass die Maßnahmen zur jeweiligen Rolle passen.
Wie gut ist Ihre KI-Kompetenz dokumentiert?
Interaktiv
Art.-4-Selbstcheck: Wie gut ist Ihre KI-Kompetenz-Doku?
Haken Sie ab, was in Ihrem Unternehmen heute schon steht:
Grobe Selbsteinschätzung auf Basis der Hinweise von EU-Kommission und Bundesnetzagentur sowie unserer Projekterfahrung. Keine Rechtsberatung.
So setzen wir den KI-Führerschein bei TAISC um
Unser KI-Führerschein ist ein kompaktes Format für Mitarbeitende aus allen Abteilungen: Grundlagen, Grenzen und Halluzinationen, Datenschutz und Spielregeln, Live-Demos der relevanten Tools und Gruppenarbeit an Aufgaben aus dem eigenen Arbeitsalltag. Am Ende steht ein interner Nachweis, der die Anforderungen aus Art. 4 abdeckt, und eine Liste konkreter Einsatzideen.
Der Teil, den wir für den wichtigsten halten, kommt danach. Beim KI-Führerschein für WM aquatec entstanden aus den Gruppenarbeiten Ideen für Marketing, Support und Vertrieb, darunter eine Händlersuche, die sich per n8n automatisieren lässt. Beim KI-Seminar mit Use-Case-Werkstatt für Amphenol Precision Optics stand von Anfang an im Mittelpunkt, welche Prozesse sich mit Automatisierung und KI-Agenten verbessern lassen.
Genau dort liegt unser Schwerpunkt als KI-Agentur aus Karlsruhe: Wir schulen nicht nur, wir bauen die Automatisierungen und Agenten, die in der Schulung entstehen, und bringen sie in den Betrieb. Wie Sie dabei vorgehen, ohne dass das Training nach zwei Wochen verpufft, beschreibt unser Beitrag KI-Schulung für Teams. Wie aus einer guten Idee ein laufendes System wird, zeigt KI-Automatisierung: Welche Prozesse sich wirklich lohnen. Alle Formate der Zusammenarbeit finden Sie unter Services.
Häufige Fragen zum KI-Führerschein und zur KI-Schulungspflicht
Ist der KI-Führerschein Pflicht?
Nein. Einen gesetzlich vorgeschriebenen KI-Führerschein gibt es nicht. Art. 4 des EU AI Act verlangt seit dem 27. Juli 2026, dass Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen. Ein KI-Führerschein ist ein gängiges Format, um diese Maßnahmen umzusetzen und zu dokumentieren.
Gibt es die KI-Schulungspflicht nach dem Digital Omnibus noch?
Ja, in abgeschwächter Form. Mit der Verordnung (EU) 2026/1744 wurde Art. 4 neu gefasst. Unternehmen müssen nicht mehr sicherstellen, dass ihr Personal ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz hat, sondern Maßnahmen ergreifen, um dessen Entwicklung zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau müssen sie ausdrücklich nicht garantieren.
Brauchen Mitarbeitende ein Zertifikat über ihre KI-Kompetenz?
Nein. Weder die KI-Verordnung noch die EU-Kommission oder die Bundesnetzagentur verlangen Zertifikate oder externe Zertifizierungen. Empfohlen ist eine interne Dokumentation, aus der hervorgeht, wer wann welche Maßnahme mit welchem Inhalt und Umfang durchlaufen hat.
Wer kontrolliert die KI-Kompetenz in Deutschland?
Seit dem Inkrafttreten des KI-Marktüberwachungsgesetzes (KI-MIG) am 29. Juli 2026 ist die Bundesnetzagentur die zentrale Marktüberwachungsbehörde für die KI-Verordnung. In einzelnen Bereichen bleiben andere Behörden zuständig, etwa die BaFin im Finanzsektor.
Welche Strafe droht, wenn wir nicht schulen?
Für Art. 4 gibt es nach aktuellem Stand keinen eigenen Bußgeldtatbestand, weder in der KI-Verordnung noch im KI-MIG. Die Aufsicht kann aber Nachweise anfordern und Maßnahmen anordnen. Entsteht ein Schaden durch unkundigen KI-Einsatz, kann fehlende KI-Kompetenz zudem als Sorgfaltspflichtverletzung gewertet werden.
Gilt Art. 4 auch für Freelancer und externe Dienstleister?
Ja, soweit sie in Ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten. Art. 4 spricht ausdrücklich von Personal und anderen Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind.
Wie oft muss eine KI-Schulung aufgefrischt werden?
Eine feste Frist schreibt das Gesetz nicht vor. Sinnvoll ist ein Update, sobald neue Tools, neue Mitarbeitende oder neue Einsatzfälle hinzukommen, und mindestens eine jährliche Überprüfung, ob Richtlinie und Inhalte noch passen.
Fazit
Mit dem Digital Omnibus ist Art. 4 des AI Act weicher geworden: Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen und belegen, aber kein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren. Zertifikate sind nicht vorgeschrieben, einen eigenen Bußgeldtatbestand gibt es nicht. Das ist eine Entlastung bei der Bürokratie, aber kein Grund, das Thema liegen zu lassen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt KI inzwischen ein, zwei Drittel halten die KI-Kompetenz ihrer Leute für gering, und KI erledigt zunehmend Aufgaben, statt nur Texte vorzuschlagen.
Ein guter KI-Führerschein löst beides: Er dokumentiert die Maßnahmen, die Art. 4 verlangt, und er baut die Fähigkeit auf, KI-Ergebnisse zu beurteilen. Entscheidend ist, dass am Ende nicht nur eine Teilnahmeliste steht, sondern Mitarbeitende, die erklären können, was die KI für sie gemacht hat.
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